EKD - Präsis Manfred Kock unterstützt die Arbeitslosenkürzungen - auch ein Protestschreiben

Erstellt: Freitag, 11.04.2003 14:02

EKD - Präsis Manfred Kock unterstützt die Arbeitslosenkürzungen - auch ein Protestschreiben

Aufgrund der nachfolgend sichtbar werdenden Unterstützungen von EKD-Ratspräsident Präses Manfred Kock für die Arbeitslosenkürzungen gibt es auch hier ein Protestschreiben.

Kock im Klartext:
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/politik/232333.html
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/politik/232256.html

Es wäre daher toll, wenn ihr Herrn Kock auch mit einem Protestfax überschütten würdet.

Wer das Schreiben per E-Mail schicken will, kann dies auch tuen: rv-buero@ekd.de


Harald Thome / Tacheles e.V.


Entwurf und Vorschlag:

Vorname, Nachname
Straße
Plz, Stadt

Stadt, Datum

Rat der EKD
Herrn Vorsitzender Präses
Manfred Kock
Postfach 21 02 20

30402 Hannover

Fax-Nr. 0511-2796-709



Die Kirche und die Armen

Sehr geehrter Herr Präses Kock,

Ihre Unterstützung der massiven Kürzungen ausgerechnet bei den Arbeitslosen und Ihr Neuanstoß der unseligen 'Hängemattendiskussion' hat mich schockiert und maßlos enttäuscht. Bisher hatte ich noch gehofft, dass die Kirche vom Selbstverständnis her parteilich an der Seite der Armen steht. Sie benennen die einseitigen und sozial völlig unausgewogenen Kürzungen bei den Opfern der Massenarbeitslosigkeit als belanglose Maßnahme, die kein großes Geschrei verdiene. Ich nenne das einen kirchlichen Paradigmenwechsel, mit dem wir Schutzlose bedenkenlos unter die Räuber fallen lassen. Das ist nicht die Kirche Jesu.

Bereits mit der ersten Kürzung der Arbeitslosenhilfe zum Jahresbeginn wurden deren Empfänger mit ca. 3 Milliarden € an Leistungskürzungen zur Kasse gebeten. In einer Vielzahl von Fällen sinkt das Familieneinkommen unter Sozialhilfeniveau, gerade wenn ein Partner noch Arbeit hat.
In einem zweiten Kahlschlag will man nun die Arbeitslosenhilfe ersatzlos streichen. Die Einbußen belaufen sich jetzt auf 5,65 Milliarden Euro. 1,9 Millionen Menschen fallen völlig aus dem Leistungsbezug, das Haushaltseinkommen schrumpft um durchschnittlich 6.200 € im Jahr. Die Verbleibenden erleiden jährliche Einkommensverluste von durchschnittlich 1.900 € pro Haushalt.

Mit der Verteidigung dieser sozialen Erosion, in der schieren Vermutung einiger zusätzlicher Arbeitsplätze, werden Menschen alleine gelassen, die - schon an den Rand gedrängt - gerade dort der Nähe bedürfen. In dieser Hoffnungslosigkeit mit kirchlichem Segen in die Armut gestoßen zu werden, ist zynisch und kaltherzig. Anzuprangern wäre hier eine soziales Unrecht, bei dem wir die Steuerausfälle der Konzerne von den Arbeitslosen bezahlen lassen. Mit der Rücknahme der fatalen Steuerreform 2001 wäre genug Geld da, nämlich rund 30 Milliarden Euro!

Ich bitte Sie ganz herzlich, diese Enteignung der Arbeitslosen als Unrecht zu benennen und beim bedrohlichen Geldmangel auf die zu verweisen, die trotz hoher Gewinne keine Steuern mehr zahlen. Eine Kirche, die sich aus der Solidarität mit den Schwachen verabschiedet, hört auf, Kirche zu sein.

Damit verbleibe ich
mit einem kleinen Funken Hoffnung

Vorname, Name des Unterzeichners