Zahltag am 1. März in Wuppertal – eher die Ruhe nach dem Sturm(tief)

Erstellt: Mittwoch, 03.03.2010 12:26

Am Morgen des 1. März trafen sich ab 8:00 Uhr Aktive von Tacheles gemeinsam mit Erwerbslosen und aktiven vor dem Hauptquartier der ARGE Wuppertal in der am Werther Carré. Die Beteiligten hängten Transparente auf, bauten ein Versammlungszelt auf, statteten die ARGE mit Flyern aus und organisierten ein Frühstück. Dazu gab es Redebeiträge über die Anlage, einige Sozialberatungen fanden statt und die obligatorische Ämterbegleitung wurde angeboten.

Die Beteiligung an der Aktion und das Interesse von Betroffenen und Passanten hielten sich an dem nasskalten Morgen nach dem Durchzug des Orkans „Xynthia“ jedoch in engen Grenzen. Keine optimalen Voraussetzungen also, um der ARGE das Fürchten zu lehren.

Als um 9:30 Uhr die unabhängige "Kundenzufriedenheitsumfrage" von Tacheles der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, blieben VertreterInnen der Lokalpresse leider aus. Viele der Anwesenden konnten die durch die Untersuchung zutage geförderten Ergebnisse anhand von eigenen Erfahrungen untermauern. 456 im Rahmen der Umfrage befragte Wuppertaler Alg II-BezieherInnen bewerteten die Gesamtzufriedenheit mit der Arbeit der Wuppertaler ARGE-Geschäftsstellen durchschnittlich mit der Note 4,63. Die schlechteste Geschäftsstellt (Nr. 7, Schwarzbach) erhielt bei der Frage der Zufriedenheit insgesamt die Note 5,38 der Befragten.

Nach der Vorstellung und Diskussion der Ergebnisse machte sich um 11:00 Uhr eine Delegation zur schlechtesten ARGE nach Oberbarmen auf, um der Geschäftsleitung ein gerahmtes Zeugnis zu übergeben. Vor der offiziellen Übergabe wurden die Anwesenden im überfüllten Warteraum über die Ergebnisse „ihrer" ARGE und über unseren Zahltag informiert. Bei der Zeugnisübergabe fanden wir einen selbstkritischen Geschäftsleiter vor, der vorgab unsere „konstruktive“ Kritik ernst zu nehmen, Ursachen benannte, Anstrengungen zur Verbesserung der Leistung seiner ARGE aufzeigte und Besserung gelobte. Wir hatten das Gefühl, wir rennen offene Türen ein, und verließen nach kürzerer Diskussion den Standort mit eher gemischten Gefühlen.

Ohne das Interesse einer größeren Öffentlichkeit werden sich die Zustände auf den ARGEn wohl kaum ändern. Diesbezüglich soll es noch einmal einen Anlauf bei den lokalen Medien geben, wenn der Abschlussbericht unserer unabhängigen "Kundenzufriedenheitsumfrage" veröffentlicht wird. Wir sind gespannt, ob wir diesmal auf offene Ohren stoßen.

Frank Jäger