Köln: Ermittlungsdienst Erwerbsloser – Abteilung Notwehr führt Hausbesuch durch

Erstellt: Freitag, 27.04.2007 20:16

Tacheles dokumentiert nachfolgende Veröffentlichung von indymedia.org:

Kölner Sozialschnüffler not amused

Heute Morgen rutschte Herrn Galle das Herz in die Hose. An seine Wohnungstür klopfte um 7:15 Uhr energisch der „Ermittlungsdienst Erwerbsloser – Abteilung Notwehr“. Bedauerlicherweise hatte Herr Galle nicht genug Mut, um die Tür zu öffnen. Dieses Verhalten änderte sich erst als die Polizei eintraf und er die Personalien der 30 „Überflüssigen“ haben wollte, die draußen sein Haus belagerten.

Markus Galle ist Koordinator des Bedarfsermittlungsdienst der Stadt Köln. Er bespitzelt Arbeitslose im Auftrag der Arge, um ihnen das Arbeitslosengeld II zu kürzen oder ganz zu streichen. Und er macht seinen Job gut - rund 60.000 Euro „spart“ er der Arge monatlich ein. Wie er das macht? Sein Job basiert auf Denunziation: „Meistens ist es so, dass ein Sachbearbeiter einen Hinweis bekommt vom Vermieter, von den Nachbarn, Freunden oder Bekannten – die wahrscheinlich nicht mehr länger Freunde oder Bekannte bleiben werden.“, sagt Herr Galle. Und er lacht, als er es sagt. Dass so etwas das Klima im Wohn- und Arbeitsumfeld vergiften kann, kann er nun selbst erfahren.

Denn da Herr Galle nicht die Tür öffnete, wurde bei der Nachbarin geschellt, die gerne Auskunft gab. Nein, sie habe nicht gewusst, dass Herr Galle Erwerbslosen nachstellt und ist ebenfalls empört über sein Treiben. Die restliche Nachbarschaft wurde per Postwurfsendung und Plakaten „Vorsicht Sozialschnüffler“ über seine Spitzeltätigkeit aufgeklärt und mit einigen Details wie Arbeitsplatz, Stammkneipe, Privatfahrzeug versorgt.

„Überflüssige“ in roten Trainingsanzügen und weißen Masken besuchten anschließend auch die Arbeitsstätte des Kölner Bedarfsermittlungsdienstes in Köln-Mülheim. Herr Galle persönlich war verständlicher weise dort noch nicht anzutreffen. Die Überflüssigen fanden nur seine sieben verschreckten MitschnüfflerInnen vor, die sich schnellst möglich in ihren Büros einschlossen. Flugblätter wurden an Erwerbslose und Arge-MitarbeiterInnen verteilt, die sich oft eines Schmunzelns nicht erwehren konnten.

Schluss mit Lustig!

Film, Bilder und zusätzliche Dokumente auf
http://de.indymedia.org/2007/04/173987.shtml