Artikel 23 – kostenloses Bewerbungsprogramm für Arbeitslose

Erstellt: Samstag, 10.02.2007 14:15

„Artikel 23“ – Eine Einführung in das kostenlose Bewerbungsprogramm für „Arbeitssuchende“

Jeder Hartz IV-Bezieher kennt das Problem: Man bekommt vom Amt pauschal die Kosten für etwa 52 Bewerbungen pro Jahr erstattet. Es ist aber gang und gäbe, dass das Amt zehn (oder mehr) Bewerbungsnachweise pro Monat verlangt. Da klafft pro Jahr schnell eine Lücke von 72 unbezahlten Bewerbungen. Das bedeutet: gut haushalten mit den Ressourcen. Um so ärgerlicher ist es, wenn potentielle Arbeitgeber sich als „schwarze Schafe“ entpuppen (z.B. Zeitarbeitsfirmen, Sex-Industrie oder die vielen Drückerkolonnen), nachdem sie Arbeitslose schon viel Zeit und Geld gekostet haben.

Auf der Grundlage vieler Gespräche und inspiriert durch die Erfahrungen von Betroffenen entstand Ende letzten Jahres das Opensourc-Projekt „Artikel 23". Der Name ist eine Anspielung auf die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ und deren Artikel 23, der sich mit dem Recht auf Arbeit befasst.

Mittlerweile hat das Programm die Version 0.2.1 erreicht. Und ist auf der Seite „sourceforge“ gehostet (http://sourceforge.net/projects/artikel23). Es befindet sich zwar noch im Stadium „Beta", ist aber soweit stabil, um damit produktiv arbeiten zu können. „Beta" soll heißen, dass hier noch Raum gelassen wird, für umfangreiche Änderungswünsche.

Den Projektbeteiligten ist klar, dass durch die Software weder die Massenarbeitslosigkeit noch schikanöse Amtsauflagen beseitigt werden können. Das war auch nie unser Ziel. Es geht einzig darum, Nerven zu schonen, Zeit zu sparen und das Portmonee nicht zu sehr zu strapazieren. (Anmerkung des Autors: Was nicht bedeutet, dass ich nicht auch eine politische Meinung hätte).

Das Programm wird seinen größten Nutzen entfalten, wenn man es als Gruppe benutzt. Dann kann man gemeinsam und effizienter nach Stellen suchen. Die Gruppenmitglieder speichern ihr Profil und besprechen, wer sich um welche Info-Quellen kümmert. Durch das arbeitsteilige Eingeben und Verwalten von Stellenangeboten können alle auf die von anderen gesammelten Informationen zurückgreifen.

Es ist möglich, Unternehmen an Hand ihrer Telefonnummer, Emailadressen, Domains etc. zu identifizieren oder Notizen zu hinterlegen und abzurufen. Vor unseriösen Firmen kann man so schon im Vorfeld gewarnt werden.

Ein zweiter wichtiger Aspekt ist das Verfolgen von Bewerbungsverläufen. Wer hunderte Bewerbungen schreiben muss, verliert schnell mal den Überblick. Mit „Artikel 23“ hat man immer die Kontrolle darüber, welche Bewerbung wie weit fortgeschritten ist. Daraus erschließt sich schnell, ob eine Bewerbung an eine bestimmte Firma schon raus ist, oder man gegebenen Falls hier und da noch einmal nachfragen sollte.

Und drittens können im Handumdrehen Berichte erstellt werden, die dann z.B. dem A-Amt als Bewerbungsnachweis vorgelegt werden können.

Eine sehr umfangreiche Dokumentation zu dem Programm steht als Download bereit (http://sourceforge.net/project/showfiles.php?group_id=182673&package_id=220262&release_id=482947). Das Paket heißt „artikel23-doku", es umfasst unter anderem ein 33-seitiges PDF-Handbuch.

Installation:
Um „Artikel 23“ in Betrieb nehmen zu können, müssen ein ‚Klient’ und ein ‚Server’ installiert werden. Der Klient ist recht einfach zu durchschauen. Der Server ist eine „PostgreSQL-Datenbank“. Wer diese Datenbank kennt, wird die Installation in zehn Minuten abschließen. Alle, die mit der Materie weniger vertraut sind, sollten sich sachkundige Hilfe suchen. Es wäre sinnvoll, den Server auf dem Computernetzwerk einer Arbeitsloseninitiative zu installieren (falls vorhanden). Wenn ihr mit Linux arbeitet, wendet euch an eure örtliche Linux-User-Group (kurz LUG's genannt). In der Regel helfen die gerne, wenn man sie höflich fragt, ohne gleich die Hand auf zu halten.

Olaf Radicke

• „Artikel 23“-Download unter http://sourceforge.net/projects/artikel23
• Das PDF-Handbuch (Autoren: Olaf Radicke und Kurt Lettmaier) direkt <herunterladen – Link: Artikel23_Handbuch.pdf>

Rückmeldungen zur Software bitte an: olaf_rad@gmx.de