Ein-Euro-Jobber in Berlin in den Schulen

Erstellt: Montag, 07.03.2005 08:09

Ein-Euro-Jobber in Berlin in den Schulen

Nach jahrelangem Personalabbau werden an Berliner Schulen und Kitas nun Hunderte Ein-Euro-Jobber eingestellt, um notwendige Arbeiten zu erledigen. Ilse Schaad, zuständiges Vorstandsmitglied der GEW Berlin, kritisierte in einer Pressemitteilung am Donnerstag, daß in Berliner Schulen Ein-Euro-Jobs »in großem Stil« für technische und Verwaltungsarbeiten, aber auch für pädagogische Aufgaben eingesetzt würden.

Für eine geringe Aufwandsentschädigung müßten Erwerbslose behinderte Kinder betreuen, Schwimm- und Vertretungsunterricht erteilen. Auch für Hausmeister-, Bibliotheks- und Sekretariatstätigkeiten, bei der Sprachförderung, der Begleitung von Klassenfahrten, bei der Aufsicht und in der Sozialarbeit kommen Ein-Euro-Jobber nach Gewerkschaftsangaben zum Einsatz. Bis zu 500 solcher »Arbeitsverhältnisse« sind Schätzungen der GEW zufolge an Berliner Schulen bereits entstanden. Bei diesen handele es sich überwiegend um staatliche Pflichtaufgaben und nicht um Zusatzjobs, hob Schaad hervor. »Der in den letzten Jahren erfolgte Personalabbau im Bildungsbereich hat dazu geführt, daß die Arbeitsbelastung gestiegen ist und notwendige Arbeiten liegenbleiben«, erläuterte sie. Die Gewerkschafterin hält es für »bildungspolitisch unverantwortlich, diese Arbeiten jetzt zum Nulltarif durch alle paar Monate wechselnde Erwerbslose erledigen zu lassen«.

»Die von den Arbeitsgemeinschaften beauftragten Trägereinrichtungen treten zum Teil wie Drückerkolonnen auf und drängen Schulleiter massiv zum Einsatz von Ein-Euro-Jobbern«, berichtete Schaad. Die GEW-Frau kritisierte zudem, daß den Personalräten Informations- und Mitbestimmungsrechte verweigert würden. Diese werde man nun einklagen, kündigte sie an. Die Einbeziehung der Beschäftigtenvertreter sei »dringend notwendig, da in vielen Fällen weder die Qualifikation der eingesetzten Arbeitskräfte noch deren gesundheitliche und persönliche Eignung geprüft wurde«. Hier werde »die Not von Erwerbslosen schamlos ausgenutzt«, kritisierte Schaad.

Sollten Ein-Euro-Jobber im Unterricht eingesetzt werden, »dann ist der Bereich der Illegalität erreicht«, erklärte André Schindler vom Berliner Landeselternausschuß im Gespräch. Kenneth Frisse, Sprecher der Senatsverwaltung für Bildung, betonte auf Nachfrage, in einer Rahmenvereinbarung vom November vergangenen Jahres sei festgelegt worden, daß Langzeitarbeitslose nur für zusätzliche Aufgaben eingesetzt werden dürften, also keinesfalls bei der Erteilung von Unterricht oder von Vertretungsstunden. Fälle von Mißbrauch wollte der Sprecher zwar nicht ausschließen, die Senatsverwaltung lege aber »großen Wert darauf, daß die Regelungen strikt eingehalten werden«.

Die neuen Billigjobs werden indes nicht nur in Berliner Schulen, sondern auch anderswo genutzt. In Bremen habe der Personalrat einen Einsatz von Ein-Euro-Jobbern im pädagogischen Bereich allerdings verhindert, erklärte der Vorstandssprecher der örtlichen GEW. Dennoch seien etwa 20 bis 30 Erwerbslose durch freie Träger – unter Umgehung der betrieblichen Mitbestimmung – in technische Tätigkeiten an Schulen vermittelt worden. In Hamburg haben die Beschäftigtenvertreter die Fälle noch nicht erfaßt.