Tacheles fühlt ARGE auf den Zahn

Unabhängige „Kunden”zufriedenheitsumfrage in Wuppertal gestartet

Um belastbare Zahlen über die Zufriedenheit der Wuppertaler Alg II-Bezieher/innen mit „ihrer” ARGE zu erhalten, führt das Tacheles-Umfrageteam eine anonyme und unabhängige Befragung in den Geschäftsstellen der ARGE durch. Der zweite Wuppertaler Zahltag wird am 2. November durchgeführt.

Am 3. August hat der Erwerbslosen- und Sozialverein Tacheles mit dem ersten Wuppertaler Zahltag den Protest vor der Zentrale der ARGE in der Bachstraße getragen. Tacheles hat im Rahmen dieser Aktion die katastrophalen Missstände in den Wuppertaler ARGE-Geschäftsstellen kritisiert und öffentlich gemacht. Hauptkritikpunkte des Vereins sind der beträchtliche Schwund bei eingereichten Unterlagen, die fehlende Erreichbarkeit der Behördenmitarbeiter/innen und eine nicht vertretbar lange Bearbeitungszeit bei Anträgen.

ARGE-Leiter Thomas Lenz hat auf die Kritik reagiert und Ergebnisse einer von der Bundesagentur für Arbeit durchgeführten telefonischen Kundenzufriedenheitsumfrage herangezogen. Diese Untersuchung hätte zutage gebracht, dass lediglich 4 % der „Kunden” – sprich: der Wuppertaler Arbeitslosengeld II-Bezieher/innen – mit der Arbeit seiner Behörde unzufrieden seien. Eine kurz darauf durchgeführte Internetbefragung der Wuppertaler Rundschau ergab dagegen eine Quote von 49 % Unzufriedenen.

Um belastbare Zahlen über die Zufriedenheit der Wuppertaler Erwerbslosen mit „ihrer” ARGE zu erhalten, wird der Tacheles nun eine eigene Umfrage durchführen. Dabei werden Umfrageteams Leistungsbezieher in den Geschäftsstellen der ARGE befragen. Der Fragebogen wird auch an andere soziale Einrichtungen weitergegeben und kann über die Homepage von Tacheles heruntergeladen werden. (Link, Adresse für die Zusendung der ausgefüllten Bögen siehe unten)

Die mit einem zweiseitigen Bogen abgefragten Kriterien erfassen ein differenziertes Urteil über Problemfelder des Behördenalltags. Die Fragen betreffen unter anderem Wartezeiten, Erreichbarkeit der Mitarbeiter/innen, Qualität der Beratung, Dauer der Antragsbearbeitung, Erfahrungen mit verloren gegangenen Unterlagen, Pünktlichkeit eingehender Leistungen, Umgangston und die allgemeine Zufriedenheit. Zudem wird nach den sieben Wuppertaler ARGE-Geschäftsstellen unterschieden, um eine auf einzelne Standorte eingegrenzte Fehleranalyse zu ermöglichen. Der anonyme Fragebogen zum Ankreuzen bedient sich größtenteils der bekannten Schulnotenscala. Der Fragebogen ist auch auf Türkisch verfügbar.

Das Umfrageteam von Tacheles hat sich zum Ziel gesetzt, mehrere hundert Arbeitslosengeld II-Bezieher/innen zu befragen, um die Repräsentativität der Befragung sicherzustellen. Eine statistische Auswertung und ein Untersuchungsbericht sollen einen unabhängigen und differenzierten Befund über die Bürgerfreundlichkeit und die Arbeit der ARGE-Geschäftsstellen ermöglichen.

Positiv wertete Tacheles, dass die ARGE eine Forderung des Vereins vom ersten Wuppertaler Zahltag bereits teilweise umgesetzt hat. Die telefonische Erreichbarkeit der Mitarbeiter soll seit 1. September zwischen 8:00 und 10:00 Uhr gewährleistet sein. Da die öffentliche Auseinandersetzung mit den Missständen offenbar Früchte trägt, ist die nächste Protestaktion bereits angesetzt. Am Montag, den 2. November wird der zweite Zahltag in Wuppertal durchgeführt. Dann wird Tacheles mit breiter Unterstützung vor der Geschäftsstelle 6 in der Winklerstraße Position beziehen. Ratsuchende berichten häufig, in dieser ARGE würde ein ziemliches raues Klima herrschen.

Tacheles – Online Redaktion
Harald Thomé und Frank Jäger

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